LITERATURSEITE, GEWIDMET DEM GROSSEN VATERLÄNDISCHEN KRIEG  
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Der Große Vaterländische Krieg rückt immer weiter in die Vergangenheit, doch die Zeit ist machtlos, das Andenken der Menschheit an den Heldenmut der sowjetischen Menschen auszulöschen.
In den Kriegstagen gab es keinen Tag, den man aus dem Andenken des Volkes streichen könnte. Ein jeder Kriegstag war eine Heldentat von Millionen.
Schon viele Jahre schaut die Literatur aufmerksam in das Antlitz der kämpfenden Heimat. Sie schafft eine künstlerische Chronik der Kriegsjahre. Weder bei Schriftstellern noch bei Millionen Lesern hat das Interesse am Kriegsthema nachgelassen. Es  hat stets die Aufmerksamkeit der jetzigen Generationen angezogen, und bei künftigen Generationen wird es nicht anders sein.
Seit den ersten Tagen der Kampfhandlungen begann die Chronik des Großen Vaterländischen Krieges Gestalt anzunehmen. Die sowjetischen Schriftsteller waren in den schwersten Tagen ihrer Heimat mit dem Volk, sie nahmen an den Gefechten teil. Von den tausend Literaturschaffenden, den Mitgliedern des Schriftstellerverbandes, die an die Front gingen,  kehrten über 200 nicht aus dem Krieg zurück. Von den Militärjournalisten kamen noch viel mehr ums Leben …
Den sowjetischen Literaturschaffenden gebührt das enorme Verdienst, die künstlerische Chronik des Großen Vaterländischen Krieges geschrieben zu haben. Beginnend mit kleinen Formen wie Essays, Erzählungen, publizistische Artikel und Gedichte mündete diese Chronik mit der Zeit in Novellen, Romanen, Theaterstücken und Versromanen.
Darunter gibt es künstlerische Höchstleistungen. So die Werke von Michail Scholochow, Alexej Tolstoi, Leonid Leonow, Alexander Twardowski, Nikolai Tichonow, Alexander Fadejew, Konstantin Simonow u.a.
Unsere Literatur bewahrt wie das ganze Volk das dankbare Andenken an die auf den Schlachtfeldern Russlands und Europas gefallenen sowjetischen Soldaten.

 
DICHTERISCHE CHRONIK DES GROSSEN VATERLÄNDISCHEN KRIEGES
 
Jewgeni JEWTUSCHENKO

  
Unter den zeitgenössischen russischen Dichtern ist Jewgeni Jewtuschenko einer der bekanntesten in der Heimat und im Ausland. Der Dichter wurde am 18. Juli 1932 im Gebiet Irkutsk geboren. Er absolvierte die Gorki-Literaturhochschule. Die Gedichte Jewtuschenkos über die Kriegskindheit waren die erste ernsthafte Seite seines Schaffens. Seine Werke veröffentlichte er erstmals mit 16 Jahren. In der letzten Zeit lebt Jewgeni Jewtuschenko im Ausland. Er unterrichtet an einer amerikanischen Universität, reist viel und trifft sich mit seiner Leserschaft in vielen Ländern.

 
Nachdichtung: Sepp Österreicher

 
OB RUSSLAND KRIEG WILL

 
Ob Russland Krieg will, oder nicht?
Fragt doch die Stille, die sich licht
Aus breitet über Feld und Han,
Die Birken und die Pappeln fragt!
Fragt die Soldaten ringsherum,
Die unter Birken liegen stumm.
Bei ihren Söhnen holt Bericht,
Ob Russland Krieg will oder nicht!

 
Nicht nur für seiner Heimat Sieg
Fiel der Soldat in jenem Krieg -
Nein, dass die ganze Menschheit dann
In Ruhe wieder träumen kann.
Du schläfst, New York, du schläfst, Paris,
Bei Blätterrascheln träumt ihr süß - 
So fragt doch euer Traumgesicht,
Ob Russland Krieg will oder nicht! 

 
Wenn wir zu kämpfen auch verstehn,
So soll`s doch niemals mehr geschehn,
Dass auf zerquälten Ackergrund
Soldaten fallen todeswund.
Die Mutter fragt, die eigne Frau,
Bis ihr`s verstanden ganz genau,
Bis ihr`s begriffen klar und schlicht,
Ob Russland Krieg will oder nicht!

 
Alexander SOBOLEW
1915-1986

 
Der Dichter Alexander Sobolew hatte kein leichtes Schicksal. Im Großen Vaterländischen Krieg wurde er als junger Maschinengewehr-Schütze mehrmals schwer verwundet und verschüttet. Die Nachkriegszeit erlebte Alexander Sobolew in Schmerz und Qual. Seine Dichtung ist erfüllt von dem tapferen, angestrengten Kampf gegen Unbilden, Krankheit, Lüge und Schönfärberei. Die Gedichte Alexander Sobolews, solche wie „Die Vertreibung des Gewissens“ (über die Ausweisung Alexander Solschenizyns) und „Rus“, in dem er sich mit dem Zorn und der Verzweiflung eines Mannes an die Heimat wandte, der sein Blut für sie vergossen hat, konnten zu den Zeiten der strengen Zensur nicht veröffentlicht werden. Zu Lebzeiten des Dichters erschein nur ein einziger Sammelband seiner Werke. Das einzige Gedicht von Alexander Sobolew „Buchenwalds Mahngeläut“, das die Zeitung „Trud“ 1958 abdruckte, wurde von Wano Muradeli vertont und ist jetzt ein bekanntes Lied.

 
Nachdichtung: Lia Frank

 
BUCHENWALDS MAHNGELÄUT

 
Halt, ihr Menschen aller Kontinente!
Höret ihr, höret ihr den mahnend, dumpfen Klang?
Haltet inne, arbeitsame Hände!
Es läutet hohl und bang! Es läutet hohl und bang!
Buchenwald, in deinem Mahngeläute
pocht Millionen Opfer Herzensblut,
aller, die hier auferstanden heute
aus der Öfen Glut, aus der Öfen Glut,
auferstanden, auferstanden 
aus der Öfen Glut.
 
Alle, die hier eingeäschert, kommen,
richten sich, richten sich in Reihen, Mann an Mann.
Internationale ziehn Kolonnen.
Seht, sie treten an! Seht, sie treten an!
Und ein Tosen, Grollen aus den Tiefen
rollt wie Donnerschlag auf uns zurück.
Vom Atomsturm unheilvoll ergriffen,
stöhnt der Pazifik, stöhnt der Pazifik,
stöhnt und grollet, stöhnt und grollet, 
stöhnt der Pazifik.
 
Halt, ihr Menschen aller Kontinente!
Höret ihr, höret ihr den mahnend dumpfen Klang?
Haltet inne, arbeitsame Hände!
Es läutet hohl und bang! Es läutet hohl und bang!
Dies Geläut umschwebt die ganze Erde,
und im Äther rauscht es immerfort:
Menschen, wachsam seid, dass Frieden werde,
Frieden allerort! Frieden allerort!
Hütet, Menschen ihr, den Frieden,
Frieden allerort! 

 
 Michail ISSAKOWSKI

          1900-1973 
 
Michail Issakowski wurde in einer Bauernfamilie bei Smolensk geboren. Sein erster Gedichtband erschien 1927. Die Stärke seiner Lyrik besteht in der schlichten und ehrlichen Erzählweise. Eines seiner besten Werke ist „Katjuscha“. Es wurde ein beliebtes Volkslied. Und dabei ist es nicht der einzigste Fall, wo Issakowskis Gedichte Folklore wurden. Der Dichter ist zweimaliger Inhaber des Staatspreises.

 
KATJUSCHA

 
Nachdichtung: Alexander Ott

 
Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten, 
still vom Fluss zog Nebel noch ins Land;
durch die Wiesen kam hurtig Katjuscha
zu des Flusses steiler Uferwand.

 
Und es schwang ein Lied aus frohem Herzen
jubelnd, jauchzend sich empor zum Licht,
weil der Liebste ein Brieflein geschrieben,
das von Heimkehr und von Liebe spricht.
Oh, du kleines Lied von Glück und Freude,
mit der Sonne Strahlen eile fort.
Bring dem Freunde geschwinde die Antwort,
von Katjuscha Gruß und Liebeswort!

 
Er soll liebend ihrer stets gedenken,
ihrer zarten Stimme Silberklang.
Weil er innig der Heimat ergeben,
bleibt Katjuschas Liebe ihm zum Dank.

 
Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten;
still vom Fluss zog Nebel noch ins Land.
Fröhlich singend ging heimwärts Katjuscha,
einsam träumt der sonnenhelle Strand.
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